Eine Internationale Schule für Kaiserslautern? Es gibt besseres zu tun

Ein weiterer Beitrag zur Diskussion um die Ansiedlung einer „Internationalen Schule“ in Kaiserslautern und ein etwas anderer Nutzungsvorschlag für das ehem. Kreiswehrersatzamt. Warum nicht ein internationales sozio-kulturelles Zentrum anstatt einer Eliteschule?

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Seit im August diesen Jahres das Bundesvermögensamt der Stadt Kaiserslautern das Angebot unterbreitet hat das Kreiswehrersatzamt zum halben Preis zu erwerben geistert mal wieder die nicht nur bildungspolitisch unsinnige Idee durch den Raum dieses Gebäude für die Schweizer Privatfirma Seelab AG zu erwerben, die dort eine Private Eliteschule eröffnen soll.

Der Oberbürgermeister, sowie andere dem Neoliberalismus nahestehende Parteien und Organisationen feiern diese sogenannte Internationale Schule als Standortfaktor und Eintrittskarte für die Ansiedlung international operierender Wirtschaftsbetriebe. Die CDU geht sogar soweit aus der bekannterweise leeren Stadtkasse das Kreiswehrersatzamt zum vollen Preis zu erwerben um eine, auf die mit dem 50%-Angebot verbundene lästige Festlegung auf eine 10jährige öffentliche Zweckbindung zu umgehen. Dies wird allen Ernstes zur Zeit geprüft.

Zur Erinnerung: Diese Internationale Schule verlangt von ihrer ausgewählten Kundschaft Schulgelder von mindestens 13000 Euro jährlich und bietet dafür noch nicht einmal einen Zugang zu einem in Deutschland geltenden Abitur an. Deshalb ist ja auch eine Summierung der Schule unter einer öffentlichen Zweckbindung von vornherein auszuschließen. Als Kunden für diesen Schultyp kommen also nur Extremgutverdiener in Frage, die mehr oder minder auf der Durchreise sind, da deren Kinder (und dies ist der eigentliche Vorteil dieses Schultyps) in vielen anderen Ländern direkt weiterbeschult werden können. Weiter konnten die Befürworter einer Ansiedlung bisher nichts vorlegen, was die Auslastung des Schultyps in Kaiserslautern belegt und um welche Kundschaft es sich eigentlich handelt. Die konkretesten Äußerungen hierzu kamen bisher aus Landstuhl. Die Stadt hatte sich im letzten Jahr auch für eine Ansiedlung ins Gespräch gebracht. Der dortige Stadtbürgermeister sprach in einem Rheinpfalz-Artikel vom März 2015 von einem großen Interesse aus dem NATO-Umfeld. Das ist in Anbetracht der oben genannten Kundenausrichtung naheliegend. Was ein solches Interesse mit auf wirtschaftlicher Entwicklung fußenden Argumenten der politischen Akteure hier in Kaiserslautern zu tun hat ist daher nicht wirklich nachvollziehbar.

Abgesehen davon, das es sich bei der Internationalen Schule um eine nur als reaktionär zu bezeichnendes, auf Elitebildung und Exklusion ausgerichtetes Bildungsinstitut handelt gibt es also keinerlei Grundlage warum eine hochverschuldete Stadt wie Kaiserslautern Steuergelder dafür aufwenden soll die Bildung von finanziell äußerst komfortabel ausgestatteten Eliten zu ermöglichen. Es stellt sich hier die Frage, warum die Trägerin dieser Schule sich nicht ein eigenes Gebäude auf den freien Immobilienmarkt besorgt.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Wir sind durchaus dafür, gerade unter den vom Bundesvermögensamt dargestellten Bedingungen, die Immobilie Kreiswehrersatzamt zu erwerben. In Anbetracht der Herausforderungen die mit der Integration der in Kaiserslautern angelandeten Flüchtlinge verbunden sind, wäre z.B. die Schaffung einer soziokulturellen Einrichtung wie eines städtischen Begegnungszentrums mit gut ausgestatteten Räumen für Deutschkurse, die Weiter- bzw. Ausbildung von Geflüchteten sowie Räume für den kulturellen Austausch dringend geboten. In Kaiserslautern gibt es viele ehrenamtlich agierende Gruppen, sowie Menschen aus der freien Kulturszene die in der Lage sind aus den gegebenen Möglichkeiten etwas zu schaffen was mehr Internationale Schule beinhaltet als elitäre Privatschulen je leisten können.

Die zweite Hälfte des Gebäudepreises, den manche CDU-Mitglieder bereit sind draufzulegen kann man sich dann sparen, oder besser noch für die Ausstattung und den Betrieb eines soziokulturellen Internationalen Zentrums nutzen.

Flüchtlinge willkommen heißen – Das Zusammenleben stärken

Erschienen im Amtsblatt Kaiserslatutern vom 13.10.2016 (pdf)

Foto entnommen aus kl-ist-bunt.de. keine weiteren Angaben.

Roachhouse, das wars – Ein subjektiver Blick zurück:

„Freiraum ist subjektive Freiheit in objektiver Unfreiheit = Distanz von der Realität inmitten der Realität.“*

Das Roachhouse war in den letzten 6 ½ Jahren das Vereinsheim des alternativen Kulturvereins Kutur ohne Kommerz KL e.V. „K.o.K.-roaches“. In dieser Zeit wurde es zu einem wichtigen sozio-kulturellen Treffpunkt für Jugendliche, politisch Aktive, Kulturinteressierte, Kulturschaffende, Musiker*innen und zuletzt auch Geflüchtete. In eigenen Projekten, aber auch in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren der freien Kulturszene und politischen Gruppierungen in Kaiserslautern wurden in diesen Räumen verschiedenste Initiativen von Festivals bis zu gemeinsamen Aktivitäten gegen Rechts entwickelt. Dazu kamen Workshops und im letzten Jahr ein sozialer Treffpunkt sowie ein Raum für Deutschkurse in Kaiserslautern angelandeter Geflüchteter.

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Über diese Aktivitäten im politischen Raum und in der Vermittlung nichtsubventionierter eigenverantwortlicher Kulturarbeit war das Roachhouse vor allem bekannt für ein eigenwilliges Konzert- und Sessionangebot das Musiker aus aller Welt (England, Irland, Italien, den USA und Israel etc.) nach Kaiserslautern brachte. Die meist akustischen Konzerte zogen Musikliebhaber*innen verschiedenster Generationen an und zeigte, dass es auch in direkter Kooperation mit Künstlern und mit geringen Mitteln möglich ist ein breitgefächertes und hochwertiges Programm zu präsentieren.

Zum Ende Oktober wurde der Mietvertrag für diese Räumlichkeiten vom Hauseigentümer gekündigt, ohne das alternative Räume bereitstehen in denen diese Arbeit weitergeführt werden kann. Das dies irgendwann passieren wird müsste eigentlich allen Beteiligten klar gewesen sein. Schon seit Jahren wurden die Beschwerden häufiger und die Regelsetzungen rigider, so dass auch das Gefühl im Roachhouse wirklich einen Freiraum zur Verfügung zu haben nicht mehr richtig aufkam. Auch ist damals bei Unterzeichnung des Mietvertrages niemand davon ausgegangen, dass der Verein so lange Zeit in diesen Räumen bleibt. Doch kam es nie dazu selbsttätig den nächsten Schritt zu tun. Dazu gibt es verschiedenste Gründe.

Zum Einen: Die Tatsache, dass die von den KoKroaches entwickelte Möglichkeit die geschaffenen Räumlichkeiten als Melting Pot für die damals im sich im Aufbruch befindende freie Kulturszene zu begreifen von anderweitig organisierten Kultur- und Politaktivist*innen nicht angenommen wurde. Statt von teilweise unterschiedlichen Vorstellungen zu einer gemeinsamen Schnittmenge mit dem Ziel eines selbstverwaltetes Kulturzentrums zu kommen kochte mensch lieber sein eigenes Süppchen. Dadurch entstanden Parallelszenen, die in einer Stadt wie Kaiserslautern zwar für den Moment die Angebotsvielfalt erhöhten, doch langfristig nicht tragen konnten. Zielgerichtete Diskussionen über Inhalte und die Entwicklung von Gemeinsamkeiten wurden einem Aktionismus geopfert, der nicht weiter führte als zu verschiedenen Initiativen, die eine der Gruppen alleine nicht stemmen konnte (siehe Einvierteltakt, Schön*raus, das Freiräume-Fest). Über das Gelingen der Veranstaltung hinaus war oftmals keine Zielsetzung zur Weiterentwicklung hin zu einer gemeinsamen Perspektive zu erkennen. Die Nachbereitung beschränkte sich in den meisten Fällen auf das Aufräumen und Geld zählen.

Aber auch bei den KoKroaches höchstselbst wurde, wie mensch im Nachhinein erkennen muss, sich zu wenig mit der eigenen Zielsetzung und den selbst gesetzten Vorgaben (Satzung und Selbstverständnis) die dort hin führen sollten auseinandergesetzt. Auch hier war die Aktion, das Konzert, die Veranstaltung und technische Lösungen anfallender Probleme wichtiger als inhaltliche Auseinandersetzungen, was schliesslich auch dazu führte, dass Brüche entstanden die bis zum heutigen Tag nicht aufgearbeitet wurden. Zu dem gab es zuviele Mitläufer*innen und zuwenige die für einen Verein mit vielfältigen kulturellen und politischen Aktivitäten und gewachsener Außenwirkung wirklich Verantwortung übernommen haben.

Ein anderer wichtiger Punkt: Es wurde nie ein Bewusstsein sichtbar, das politische und kulturelle Arbeit gezielt miteinander verknüpft hat. Das Politische wurde von vielen Politaktivist*innen oft bewusst oder unbewusst von den kulturellen Bedürfnissen abgekoppelt. Gleichsam wurde und wird in Künstler*innenkreisen oftmals die kommerzielle Wertschöpfung dem kreativen Umarbeiten der Welt und Suche nach einem Vorschein des Neuen im Sinne utopisch überschreitender Kunst (E.Bloch) vorgezogen. Die wenigen Menschen in Kaiserslautern, die dazu willens und in der Lage waren bzw. sind wurden nicht wirklich erreicht.

Von der Aufbruchstimmung, die vor 2-3 Jahren selbst für die politisch Verantwortlichen in der Stadt spürbar wurde und das Gefühl, dass in Kaiserslautern wirklich etwas geschieht, dass die Strukturen des institutionalsierten Kultur und Politbetriebs aufsprengt und langfristige Wirkungen haben könnte, ist jetzt nichts mehr übrig. Was bleibt sind die kleinen Oasen der Hipsterkultur (Poetry Slam) und eine grössere Bandbreite an Kneipen- bzw. Akustikkonzerten, meistens so teuer, das zumindest ich mir den Besuch nicht leisten kann. Die städtische Kulturpolitik labt sich derweil am Übriggebliebenen und betrachtet dies als Wertschöpfungspotential für die Aufwertung heruntergekommener bzw. neuentstehender Stadtviertel. Kurzum: Im Moment scheint kein Freiraum in Sicht, der diesen Namen auch verdient.

Doch vielleicht haben Einzelne durch das Roachhouse eine Idee von dem bekommen, was die Menschen, die dort angefangen haben etwas aufzubauen im Blick hatten.

„Dass Realität alternativlos ist, heißt nicht, dass sie notwendig ist, wie sie ist.“*

Auf ein Letztes: 17.10. -22.10.2016 LAST EXIT ROACHHOUSE – Die Abschiedskonzerte

* beides: Marcus Steinweg, Notiz zur Realität, 2013

Die US-Airbase Ramstein ist kein Abenteuerspielplatz

„Werben fürs Sterben“ im Sommerferienprogramm der Stadt Kaiserslautern

Wer das letzte Amtsblatt (Ausgabe vom 25.08.2016) (Seite1, unten) gelesen hat musste mit Erstaunen und Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen, dass ausgerechnet ein Ausflug von Kindern und Jugendlichen auf das Gelände der durch völkerrechtswidrige Drohnenangriffe mit hunderten von toten Zivilisten zum wiederholten Male in Verruf geratene US-Luftwaffenbasis Ramstein als Beispiel für die Sinnhaftigkeit und den Erfolg des städtischen Kinderferienprogramms herhalten sollte. Ohne Zweifel: Das Kinderferienprogramm ist eine gute und wichtige Einrichtung und sollte auch weiterhin unterstützt werden. Doch weckt dieser Ausflug große Zweifel an einer möglichst verantwortlichen Auswahl der Inhalte durch den Stadtjugendpfleger Herrn Schirras. Wie richtig im Amtsblatt-Artikel zu diesem Ausflug erwähnt ist die Airbase in Ramstein „der größte Militärflughafen in der Mitte Europas“ und somit auch eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste NATO-Drehkreuz für die Verteilung von Kriegsgerätschaften überhaupt. Wurde den Kindern erklärt, dass mit den durch die Galaxy verladenen Waffen Menschen getötet, verletzt, ihre Heimstätten zerstört und ganze Dörfer und Städte dem Erdboden gleichgemacht werden?

Gerade in Anbetracht der unrühmlichen Rolle, die US-Armee und NATO-Verbündete die letzten Jahrzehnte hindurch in den immer noch von Krieg und Zerstörung heimgesuchten Regionen des Nahen Ostens, vom Irak über Libyen bis zur derzeitigen Eskalation in Syrien spielten und spielen, sollten solche Verharmlosungen wie die Besichtigung eines Golfplatzes, eines Hotels und vor allem die Kinderaugen in ehrfurchtsvolles Staunen versetzende Präsentation des Laderaums einer Galaxy unterlassen werden. Sie sind in diesem Falle eher unter dem Tatbestand der bewussten Täuschung von Schutzbefohlenen über Sinn und Zweck dieser Militäreinrichtung einzuordnen. Dies ist zwar kein strafrechtlicher Tatbestand, aber gehört zur Klaviatur militärischer Propagandaaktivitäten, die in einem Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche nichts zu suchen haben.

Als wäre es nicht genug, dass die Bundeswehr im Rahmen ihrer Anwerbemaßnahmen bei Aktionstagen, Messen und anderen Möglichkeiten Kindern Militärgerät in die Hand drückt bzw. besteigen lässt, als wäre Krieg ein Spiel und hätte nichts mit Töten und Zerstören zu tun. Schon seit Jahren wird in Schulen das Kriegshandwerk verharmlosend dargestellt und z.B. zu Planspielen heruntergebrochen um so weiteres Menschenmaterial für die militärischen Abenteuer der Machthaber der westlichen Welt zu gewinnen. Wer sich für ein friedliches Zusammenleben der Völker ohne den Tod tausender Toter Zivilisten und Millionen von Flüchtenden einsetzt, muss solche Aktivitäten wie den „Ausflug“ von Kindern und Jugendlichen auf die US-Airbase in Ramstein ablehnen.

Ein Besuch in einem der vielen Flüchtlingsunterkünfte in Kaiserslautern und Umgebung wäre da eine sinnvolle Alternative gewesen, die mit dem Erkenntniswert, dass diese aus Not, Elend und nicht zuletzt kriegerischen Auseinandersetzung geflohenen Eltern und Kinder Menschen wie Du und Ich sind, die ein Recht auf ein Leben in Sicherheit und Frieden haben.

Für Alle, die sich gegen die weiter um sich greifende Militarisierung unserer Gesellschaft und für ein friedliches Zusammenleben einsetzen, hier noch ein Aktionsvorschlag:
Kundgebung und Demonstration zum Antikriegstag am 1. September 2016 in Kaiserslautern,
Beginn um 17Uhr am Philipp-Mees-Platz.

Hinweis: Dieser Artikel war als Beitrag der Fraktion der Partei „Die Linke“ im Stadtrat für die aktuelle Amtsblatt-Ausgabe (1.09.2016) vorgesehen , wurde aber nicht veröffentlicht. Begründung: „Der Text beinhaltet einen direkten Angriff gegen die Amtsblattredaktion sowie insbesondere gegen Herrn Schirra und greift zudem ein Thema auf, das mit der Stadtpolitik nichts zu tun hat“. Meiner Meinung nach trifft keines der genannten ablehnungsbegründungen zu. Der Text beinhaltet weder persönliche, in irgendeiner Form unsachliche Angriffe auf die Amtsblatt-Redaktion oder den Stadtjugendpfleger, noch bezieht er sich auf ein Thema, das mit Stadtpolitik nichts zu tun hat. Es geht ja schließlich um das Sommerferienprogramm unter städtischer Verantwortung. Daher empfinde ich Zensur als den passenden Begriff für das Verhalten der verantwortlichen Redaktion. Welches Politikverständnis hinter einer solchen Maßnahme steckt sollen die Leser*innen beurteilen.

Nachtrag: Der Artikel erschien nach längerem Hin-und-Her dann in einer stark heruntergekürzten und abgeschwächten Version im Amtsblatt vom 22.09.2016. Die Diskussionen um den Eingriff von OB Weichel in die redaktionellen Abläufe zwecks Vorzensur und die einseitige Festlegung von Kriterien zur inhaltlichen Konsistenz von Artikel aus den Stadtratsfraktionen seinerseits sind keineswegs abgeschlossen.

Stadtbilder MA – Montage

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Bilder vom 9.08.2016
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Bilder einer Ausstellung: Hannah Höch – Revolutionärin der Kunst / Kunsthalle MA

Gerade noch so geschafft. Letzte Woche war ich auf Mannheim-Tour um mir die durchaus gelungene Ausstellung dieser aussergewöhnlichen Künstlerin anzusehen. Leider ist Diese schon am Sonntag vorbei, aber ich denke das aus so vielen Jahren kreativen Schaffens noch einige neue H.H.-Ausstellungen (nicht nur DADA) erwachsen werden. Es bleibt zu hoffen, dass aus den 100 Jahre DADA Festivitäten Neugierde auf das Gesamtwerk einiger Künstler und Künstlerinnen, deren Wurzel in der DADA-Bewegung lag.

Hier ein paar Eindrücke:
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Ein besonderes Special der Ausstellung war das Angebot von Toncollagen einiger Künstler, die durch Bilder Hannah Höch inspiriert wurden. Hier nur ein Beispiel:
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Die anderen Toncollagen findet ihr hier

Alle Bilder:
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