K.U.N.S.T.

SchwarzWeiss-Lautern

Neue Fotoreihe mit Schwarz-Weissfotografien aus KL, November 2017

Alle Fotos von mir und lizensiert nach CC BY-NC-SA 4.0

MUSEUMSBESUCH: „Beat Generation“ + „Black Matters“ im ZKM/KA

Ich war mal wieder im Museum. Diesmal führte mich der Weg nach Karlsruhe. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass dies erst mein erster Besuch im ZKM war, aber Karlsruhe ist ja auch nicht gerade um die Ecke. Das ZKM ist in einer alten Munitionsfabrik untergebracht. Eine Tafel am Eingang erinnert an die Ausbeutung von Zwangsarbeitern während des NS.

Der Ausbau ist meisterlich gelungen. Gerade im Eingangsbereich, sowie in den im Moment ungenutzten Bereichen ist zu sehen, wie es den Architekten die alten Hallen in ein vom einströmenden Licht durchflutetes offenes Gebäude zu gestalten das alt und neu verbindet.

Für relativ geringen Eintritt ist dort aber auch wirklich einzigartiges zu sehen. (Tipp: Freitag ab 14Uhr ist freier Eintritt)

Der Besuch reduzierte sich auf zwei Ausstellungen. Im Hause ist noch viel mehr zu sehen und zu entdecken. Doch jene 2 waren so vielseitig und auch umfangreich, dass Sie einen allein schon an den Rand der Aufnahmefähigkeit gebracht haben. Beide sind sehr empfehlenswert.

Hier einige Eindrücke und weitere Informationen:

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BEATGENERATION

Die erste Ausstellung war eine Reise durch die verschiedensten Schaffensphasen der Protagonist_innen der Beatnik-Bewegung zwischen Textproduktion, Musik & Poetry, Bildern und Collagen, die Einzeln oder auch gemeinsam geschaffen wurden. Eine große und exquisite Auswahl an Filmen und Filmexperimenten etc. Viele Kunsttechniken, die in den Reihen der Beatniks entwickelt wurden, werden erklärt oder klären sich durch die Auswahl von Ausstellungsstücken und Textbeiträgen(die teilweise wie Fahnen das Ausstellungsgelände eingrenzen) von selbst. Geordnet ist die Ausstellung nach den verschiedensten Orten, die damals Reiseziel, Exil, Fluchtpunkt und kreative Aufladestationen der Künstler waren, wie NYC, Tangier, Paris, Mexico.

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Die in Kooperation mit dem Centre Pompidou Paris präsentierte Ausstellung »Beat Generation« wurde vom Kunst- und Kulturforum »Hyperallergic« unter die »Best of 2016: Our Top 15 Exhibitions Around the World« gewählt!
Bereits in den letzten Jahren widmete sich das ZKM ihren leitenden Figuren, wie William S. Burroughs (»The Name Is BURROUGHS. Expanded Media«, 2012) oder Allen Ginsberg (»Beat Generation. Allen Ginsberg«, 2013). In dieser neuen Ausstellung wird nun erstmals ein Überblick über die literarische und künstlerische Bewegung geliefert, die Ende 1940er Jahre entstanden ist. Wurden damals die »Beatniks« als subversive Rebellen betrachtet, so werden sie heute als Akteure einer der wichtigsten kulturellen Richtungen des 20. Jahrhunderts wahrgenommen.

BLACK MATTERS

Black Matters machte mir einen Künstler bekannt, den ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, aber der durch seine Verbindung verschiedenster Kunstformen und politischen Aktivismus das gelebt hat, was Kunst an sich auszeichnen sollte. Gelebte und auf Freiheit gerichtete Kreativität. Mehr dazu hier.

Das Motto „Black Matters“ ist überals seh, hör und spürbar. Die manifesten großflächigen Bilder, seine Dia-Experimente und kleine bis sehr große raumfüllende Videoprojektionen, die so stark und eindrücklich sind, das sie die Wahrnehmungs und Aufnahmefähigkeit der Besucher_innen zumindest an den Rand des Möglichen treibt. Teilweise sehr abstrakt und experimentell aber doch durch eine Erdung in Form von Zeitdokumenten versehen. Dazu einige (fast zuviele Videos) die seine damalige Arbeitsweise nachvollziehbar machen.

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»Black Matters« ist die erste umfassende Einzelausstellung des amerikanischen Künstlers Aldo Tambellini, der zu den Pionieren der Intermedia Art der 1960er und 1970er Jahre gehört
Aldo Tambellini (*1930 in Syracuse, NY, USA) lebt und arbeitet in Cambridge. Mit Otto Piene gründete er 1967 das »Black Gate Theatre«, das erste »Electro-Media«-Theater in New York.
Die Ausstellung »Black Matters« unternimmt eine Reise durch Tambellinis produktivste, energetisch aufgeladenste und vielseitigste Periode (1960–1980). Sie erkundet seine Gemälde und seine multimediale Praxis, welche Lumagramme (handbemalte Dias), Videos, Videogramme, Malereien, Fotografien, Installationen und Filmwerke umfasst. 

Der Werkkomplex, der im ZKM in der ersten großen Einzelausstellung des Künstlers gezeigt wird, wird als Manifest für eine organische Verbindung zwischen Malerei, Skulptur, Fotografie, Bewegtbildinstallation, kinetischer Kunst und Performance begriffen. Seine Vision umfasst alle Implikationen der zeitgenössischen Medien und begreift ihr Potential als linguistische, künstlerische und soziale Werkzeuge. Ziel der Ausstellung ist es auch, Tambellinis frühen Werke der 1950er-Jahre gemeinsam mit bisher nicht gezeigten Arbeiten seiner New Yorker Periode, die durch ihren künstlerischen Ausdruck seinen politischen Aktivismus und seine politische Philosophie demonstrieren, sowie Filme und Videos, die den Erfolg des Künstlers in den 1960er und 1970er Jahren kennzeichnen, zu präsentieren. Unter seinen unveröffentlichten Arbeiten wird es eine Sektion geben, die sich seinen Experimenten und seinen Projekten am MIT – wie etwa dem Netzwerk »Communicationsphere« – widmet.
Am Ende der Reise durch die Entwicklung Tambellinis künstlerischen Lebens wird eine ortsspezifische Installation gezeigt, die aus Anlass der Retrospektive am ZKM in Auftrag gegeben wurde. Die neue Multimedia-Installation wird sechzig Jahre später erneut Tambellinis künstlerische Kreativität und sein aktuelles politisches, wie philosophisches Unterfangen präsentieren: Schwarz spielt eine Rolle, »Black Matters«.

Aldo Tambellini – NO NAME FILM 1 – Live performance by Alyse Lamb from NITEHAWK SHORTS FESTIVAL on Vimeo.

Alle Bilder sind CC lizensiert:
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Die Lautertalbrücke – Zur Diskussion über einen Betonpfosten

Hier ein Beitrag zur Diskussion um den noch vorhandenen Pfeiler der alten Lautertalbrücke. Bei dieser Diskussion geht es um Bemühungen des Vereins für Baukultur und Stadtgestaltung Kaiserslautern e. V., der u.a. Mitglied der Initiative „Pfaff erhalten – Stadt gestalten“ ist, der Stadtverwaltung einen Erhalt jenes Autobahnpfostens abzuringen, der eigentlich durch den Bau der neuen Brücke überflüssig geworden ist und unnötig in der Gegend herumsteht. Der Verein wirft der Stadt, die diesen Pfeiler für nicht erhaltenswert erachtet ein „gestörtes Verhältnis zu Historischem“ vor. Doch ist die Historie gerade dieser 1937 (sic) eingeweihten Brücke doch sehr fragwürdig. Hierzu dokumentiere ich hier einen in der RHEINPFALZ nicht für als veröffentlichungswürdig gehaltenen und aussortierten Leserbrief:

Mein erster Gedanke bei der Durchsicht der Artikel und Leserbriefe zur Diskussion um den Erhalt/Abriss der Lautertalbrücke war: Klar sollte man diesen Pfeiler stehen lassen. Als Mahnmal. Auch ein Name fiel mir schon ein: Adolf-Hitler-Gedächnis-Vollpfosten.

Nun aber mal im Ernst. Wer mit Stolz auf diesen Sandstein verkleideten Stahlbetonträger zeigt und diesen erhalten will, zeitigt ein eher krudes Weltbild.

Ich weiss, dass die Autobahn keine Erfindung der Nazis war, obwohl einige immer noch dieser Ansicht sind und diesen falschen Rückschluss auf die Geschichte immer noch als Errungenschaft des Regimes ansehen. Aber gerade das 1937 eröffnete Reichsautobahnteilstück in und um Kaiserslautern hatte eine kriegswichtige Bedeutung und die Militärs hatten schon direkt nach der Installierung des NS-Regimes einen großen Einfluss auf die Planung und den Ausbau der Reichsautobahnen. Diese Rolle des Militärs verhalf der hiesigen RAB zu den flughafenähnlichen Ausbauabschnitten bei Ramstein. Die Bedeutung als schnelle Verbindung zur Westfront gen Frankreich ist ebenfalls nicht bestreitbar. Die mit dem Bau der Lautertalbrücke beauftragten Eisenwerke Kaiserslautern waren im Rüstungs- und Infrastrukturbereich Profiteure der Vorkriegsplanung, des Krieges selbst und somit des NS-Regimes. Während der Kriegsjahre war auch dort eine grössere Anzahl an Zwangsarbeitern unter miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen zugange.

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Ich finde es immer wieder faszinierend dass genau jene die der Stadtverwaltung und Hern Weichel Geschichtsvergessenheit unterstellen, selbst derart geschichtsvergessen agieren. Einen Betonpfeiler einer Autobahn mit fragwürdiger Geschichte mit der Spoliensäule oder den oftmals zu recht kritisierten Umgang der Stadtverwaltung mit Kunstwerken in der Stadt in einen Topf zu schmeissen empfinde ich als Missachtung jener Künstler, die versucht haben diese Stadt zu gestalten und diese gegenüber Kunst und Kultur zu öffnen.

Wie schon bei der Diskussion um das Pfaffgelände wird nur über Steine gesprochen und nicht über deren Geschichte.

Roachhouse, das wars – Ein subjektiver Blick zurück:

„Freiraum ist subjektive Freiheit in objektiver Unfreiheit = Distanz von der Realität inmitten der Realität.“*

Das Roachhouse war in den letzten 6 ½ Jahren das Vereinsheim des alternativen Kulturvereins Kutur ohne Kommerz KL e.V. „K.o.K.-roaches“. In dieser Zeit wurde es zu einem wichtigen sozio-kulturellen Treffpunkt für Jugendliche, politisch Aktive, Kulturinteressierte, Kulturschaffende, Musiker*innen und zuletzt auch Geflüchtete. In eigenen Projekten, aber auch in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren der freien Kulturszene und politischen Gruppierungen in Kaiserslautern wurden in diesen Räumen verschiedenste Initiativen von Festivals bis zu gemeinsamen Aktivitäten gegen Rechts entwickelt. Dazu kamen Workshops und im letzten Jahr ein sozialer Treffpunkt sowie ein Raum für Deutschkurse in Kaiserslautern angelandeter Geflüchteter.

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Über diese Aktivitäten im politischen Raum und in der Vermittlung nichtsubventionierter eigenverantwortlicher Kulturarbeit war das Roachhouse vor allem bekannt für ein eigenwilliges Konzert- und Sessionangebot das Musiker aus aller Welt (England, Irland, Italien, den USA und Israel etc.) nach Kaiserslautern brachte. Die meist akustischen Konzerte zogen Musikliebhaber*innen verschiedenster Generationen an und zeigte, dass es auch in direkter Kooperation mit Künstlern und mit geringen Mitteln möglich ist ein breitgefächertes und hochwertiges Programm zu präsentieren.

Zum Ende Oktober wurde der Mietvertrag für diese Räumlichkeiten vom Hauseigentümer gekündigt, ohne das alternative Räume bereitstehen in denen diese Arbeit weitergeführt werden kann. Das dies irgendwann passieren wird müsste eigentlich allen Beteiligten klar gewesen sein. Schon seit Jahren wurden die Beschwerden häufiger und die Regelsetzungen rigider, so dass auch das Gefühl im Roachhouse wirklich einen Freiraum zur Verfügung zu haben nicht mehr richtig aufkam. Auch ist damals bei Unterzeichnung des Mietvertrages niemand davon ausgegangen, dass der Verein so lange Zeit in diesen Räumen bleibt. Doch kam es nie dazu selbsttätig den nächsten Schritt zu tun. Dazu gibt es verschiedenste Gründe.

Zum Einen: Die Tatsache, dass die von den KoKroaches entwickelte Möglichkeit die geschaffenen Räumlichkeiten als Melting Pot für die damals im sich im Aufbruch befindende freie Kulturszene zu begreifen von anderweitig organisierten Kultur- und Politaktivist*innen nicht angenommen wurde. Statt von teilweise unterschiedlichen Vorstellungen zu einer gemeinsamen Schnittmenge mit dem Ziel eines selbstverwaltetes Kulturzentrums zu kommen kochte mensch lieber sein eigenes Süppchen. Dadurch entstanden Parallelszenen, die in einer Stadt wie Kaiserslautern zwar für den Moment die Angebotsvielfalt erhöhten, doch langfristig nicht tragen konnten. Zielgerichtete Diskussionen über Inhalte und die Entwicklung von Gemeinsamkeiten wurden einem Aktionismus geopfert, der nicht weiter führte als zu verschiedenen Initiativen, die eine der Gruppen alleine nicht stemmen konnte (siehe Einvierteltakt, Schön*raus, das Freiräume-Fest). Über das Gelingen der Veranstaltung hinaus war oftmals keine Zielsetzung zur Weiterentwicklung hin zu einer gemeinsamen Perspektive zu erkennen. Die Nachbereitung beschränkte sich in den meisten Fällen auf das Aufräumen und Geld zählen.

Aber auch bei den KoKroaches höchstselbst wurde, wie mensch im Nachhinein erkennen muss, sich zu wenig mit der eigenen Zielsetzung und den selbst gesetzten Vorgaben (Satzung und Selbstverständnis) die dort hin führen sollten auseinandergesetzt. Auch hier war die Aktion, das Konzert, die Veranstaltung und technische Lösungen anfallender Probleme wichtiger als inhaltliche Auseinandersetzungen, was schliesslich auch dazu führte, dass Brüche entstanden die bis zum heutigen Tag nicht aufgearbeitet wurden. Zu dem gab es zuviele Mitläufer*innen und zuwenige die für einen Verein mit vielfältigen kulturellen und politischen Aktivitäten und gewachsener Außenwirkung wirklich Verantwortung übernommen haben.

Ein anderer wichtiger Punkt: Es wurde nie ein Bewusstsein sichtbar, das politische und kulturelle Arbeit gezielt miteinander verknüpft hat. Das Politische wurde von vielen Politaktivist*innen oft bewusst oder unbewusst von den kulturellen Bedürfnissen abgekoppelt. Gleichsam wurde und wird in Künstler*innenkreisen oftmals die kommerzielle Wertschöpfung dem kreativen Umarbeiten der Welt und Suche nach einem Vorschein des Neuen im Sinne utopisch überschreitender Kunst (E.Bloch) vorgezogen. Die wenigen Menschen in Kaiserslautern, die dazu willens und in der Lage waren bzw. sind wurden nicht wirklich erreicht.

Von der Aufbruchstimmung, die vor 2-3 Jahren selbst für die politisch Verantwortlichen in der Stadt spürbar wurde und das Gefühl, dass in Kaiserslautern wirklich etwas geschieht, dass die Strukturen des institutionalsierten Kultur und Politbetriebs aufsprengt und langfristige Wirkungen haben könnte, ist jetzt nichts mehr übrig. Was bleibt sind die kleinen Oasen der Hipsterkultur (Poetry Slam) und eine grössere Bandbreite an Kneipen- bzw. Akustikkonzerten, meistens so teuer, das zumindest ich mir den Besuch nicht leisten kann. Die städtische Kulturpolitik labt sich derweil am Übriggebliebenen und betrachtet dies als Wertschöpfungspotential für die Aufwertung heruntergekommener bzw. neuentstehender Stadtviertel. Kurzum: Im Moment scheint kein Freiraum in Sicht, der diesen Namen auch verdient.

Doch vielleicht haben Einzelne durch das Roachhouse eine Idee von dem bekommen, was die Menschen, die dort angefangen haben etwas aufzubauen im Blick hatten.

„Dass Realität alternativlos ist, heißt nicht, dass sie notwendig ist, wie sie ist.“*

Auf ein Letztes: 17.10. -22.10.2016 LAST EXIT ROACHHOUSE – Die Abschiedskonzerte

* beides: Marcus Steinweg, Notiz zur Realität, 2013

Stadtbilder MA – Montage

MAntage
Bilder vom 9.08.2016
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