Allgemein

Fr, 23.06.: SoliParty

Die „Teachers on The Road KL“ und „Vielfalter e.V. laden ein:

SoliParty
am 23.06.2017, ab 20Uhr
in den Kramladen TU KL, Bau 46

Ziel der Veranstaltung ist es möglichst viel Geld zu sammeln um Geflüchteten aus Afghanistan einen ausreichenden Rechtsbeistand für die Asylverfahren hier bei uns zu ermöglichen. In Rheinland-Pfalz sollen in den kommenden Wochen sämtliche offene Asylanträge von afghanischen Geflüchteten bearbeitet werden. Viele dieser Anträge werden abgelehnt. Es drohen damit Abschiebungen nach Afghanistan.

Mit Blick auf das Abschiebeabkommen zwischen Afghanistan und der EU ist zu befürchten, dass die Zahl der abgelehnten Asylanträge weiter steigt. Vielen droht die Abschiebung. Diese Politik ist mit menschen- und völkerrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar. Mit juristischem Beistand sind die Chancen auf ein Bleiberecht um ein Vielfaches höher.

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SoliParty

Mit von der Partie sind mehrere grösstenteils regionale Musikacts. U.a.

STAHLBAND – Die Hausband des Schlagzeug-Routiniers Lothar Stahl, einst Teil der legendären Politrock-Band „Checkpoint Charlie“ und Schlagzeuger der Krautrock und Weltmusik-Vorreiterband EMBRYO. Er lebt seit Jahren in der Nordpfalz und tourt immer wieder in verschiedenen Konstellationen quer durch die Republik und weit darüber hinaus.

BAZAAR – Die neue Band der Lokalgrößen Christoph „Kaoli“ und Djulia Jung, Roland Vanecek und Co. Zur Entstehungsgeschichte: Im Sommer 2016 kamen Ikram und Mouloud (Lydia Daher, Tataful) zur Ethno-Camp Veranstaltung auf der Burg Lichtenberg, wo sich jedes Jahr junge Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt treffen um die Musik ihrer Herkunftsländer zu teilen und zusammen zu spielen. Hier lernten sie den musikalischen Alleskönner Roland Vanecek (Wandermusikanten, Ditzner Twintett) als Teil des Ethno-Betreuerteams kennen. Er lud sie direkt nach dem großartigen Abschlusskonzert zu sich nach Hause ein und organisierte für den nächsten Tag mit dem Musikerpaar Julia (Djulia & Friends) und Christoph Jung (Danny Newman, 3st, Moon Alley), sowie dem niederländischen Klimaflüchtling und Tiefganggarant Marcel (Dr. Groove) eine Jam Session. Hier wuchs in einer Nacht zusammen was sich nur durch eine Vorbestimmung erklären lässt. Seitdem bereitet die bunte Gruppe regelmäßig aus besten Zutaten und ohne künstliche Geschmacksverstärker ihr musikalisches Buffet der Spielfreude zu.
Besetzung: Julia Jung (vocals), Christoph Jung (drums), Mouloud Mammeri (guitar), Marcel Kamst (bass), Roland Vanecek (keys)

SAM REZAI – Der iranische Rapper kam vor eineinhalb Jahren als Geflüchterter aus dem Iran in die Pfalz, er gehört u.a. zur Urbesetzung der mit Preisen überhäuften Flüchtlingsband „SHAIAN“. Bei uns ist er erstmals als Solokünstler zu sehen. https://www.shaian.de/

FROHLOCKER – Das ungewöhnliche DJ-Duo Wanja Sälzer und Gabriel Zahn aus Kaiserslautern mischen seit 2006 die Dancefloor unzähliger Clubs mit funkigen Weltmusik-Klängen auf. Einflüsse aus dem Balkanbeat mischen sich mit House und Drum&Bass und unzähligen anderen Stilen zu einer hypnotischen äußerst tanzbaren Mischung.

Der Eintritt für dieses Musikspektakel liegt bei 6€ /ermässigt 3€

Die Veranstalter*innen:

Teachers on the Road Kaiserslautern

„Teachers on the Road“ ist ein Projekt des bundesweiten „Netzwerk Konkrete Solidarität e.V. (NKS)“. Das NKS selbst versteht sich als eine überparteiliche Organisation, welche die Förderung und Unterstützung von Geflüchteten und Migrant_innen in Bildung und Kultur, in der Stärkung ihrer Autonomie, zur Teilhabe am politischen, kulturellen und sozialen Leben anstrebt.
Das „Teachers on the Road“-Projekt in Kaiserslautern wird getragen von einer bunt zusammengewürfelten Gruppe engagierter Menschen . Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Geflüchteten selbst, auf lokaler Ebene außerhalb der Unterkünfte zu solch einer Teilhabe beizutragen. Dafür haben wir unterschiedliche Angebote geschaffen, wie Sprachkurse, Freizeitaktivitäten, kulturelle Angebote sowie Unterstützung in allen Lebenslagen.

Vielfalter KL e.V.

Der Verein Vielfalter KL e.V. ist eine Neugründung und Weiterführung und -entwicklung des Vorgängervereins „Kultur ohne Kommerz Kaiserslautern e.V.“ Viele Mitglieder sind auch an der Arbeit der „Teachers“ beteiligt.

Musik und Kampf – Die Bedeutung des 2.Juni 1967 für die Musikgeschichte

Als ich von der Redaktion des Gefangenen Info’s angefragt wurde etwas dazu zu schreiben, wie dieser Tag sich so Musikhistorisch einordnen lässt musste ich erstmal schlucken. Persönlich bin ich ja eher ein Kind der 80er, das nur mittelbar die Auswirkungen jener Jahre mitbekommen hat. Aber mensch hat ja schließlich Eltern und ältere Genossen und Genossinnen, die einem schon als interessierter Jugendlicher weitergeholfen haben. Als Erstes aus diesen Jahren, bin ich, wie viele Andere mit Ton-Steine-Scherben sozialisiert worden.

Der musikalische Aufbruch

Aber es gab ja schließlich auch eine Vorgeschichte und es gab auch schon vor 67/68 revolutionäre bzw. kämpferische Musiken. Vieles war schon angelegt teils im Experimentellen z.B. literarisch in der Beatnik-Bewegung um Leute wie William S. Burroughs, Allen Ginsberg, Keyes, Kerouac etc., die ja ihre Texte unter dem Einfluss von Drogen und für Normalbürger schlecht zu verdauenden BeBob und Free Jazz entwickelten. Ja, schon Anfang/Mitte der 60er wehten auch über deutschen Jazzclubs rote Fahnen, teils ernstgemeint, teilweise als Provokation. Diese Leute hatten aber andererseits recht wenig mit den eher proletarischen Jugendlichen am Hut, die eher auf Rock n Roll und Beatmusik standen. Es kam da teilweise zu sehr hässlichen körperlichen Auseinandersetzungen.

Auch die Folkmusik-Szene, beeinflusst von amerikanischen Künstlern wie dem damals schon historischen Woody Guthrie, von Pete Seeger, Phil Ochs und Bob Dylan war eher aus dem Bildungsbürgertum und den wenigen kommunistischen Zirkeln gespeist. Sie trafen sich bei Festivals, wie auf der Burg Waldeck zu Auftritten der damals jungen neuen Künstlergeneration um Dieter Süverkrüp, Hanns Dieter Hüsch, Walter Mossmann, Hannes Wader und Konsorten. Dort sah mensch damals auch schon die ersten Langhaarigen und las in der bürgerlichen Presse von „Gammlertreffen“ und viele BRD-Jugendliche hörten zum ersten Male Lieder gegen den Krieg, den reaktionären Muff und die Spuren, die Allgegenwärtigkeit der alten Nazis in der BRD.

Proletarische Jugendliche ließen sich aber ebenfalls die Haare wachsen, was für sich genommen schon zur Ausgrenzung aus der Normgesellschaft und wahren Hetzjagden führte und stritten sich Cliquenübergreifend darüber welche die beste Beatcombo war. Die Auswahl war nicht groß. Es ging um die Beatles, Rolling Stones, Kinks oder vielleicht noch um die Animals. Es ging dabei mehr um die Additüde der jeweiligen Bands als um Inhalte, obwohl z.B. Ray Davies von den Kinks sich als Sozialist verstand und seine Songs sich schon damals oft um Klassenunterschiede und den Alltag der „Working Poor“ drehten.

Mili-Tanz

In diese Zeit fiel auch die erste militante Auseinandersetzung mit der Staatsmacht in der es um mehr ging als Musik. Hier diese Episode erzählt von Rolf Reinders (Bewegung 2.Juni):

1965 kamen die Stones das erste Mal nach Berlin, in die Waldbühne. Und für viele von uns kam damit ein kleiner Durchbruch. Wir wollten eigentlich nur das Konzert hören, hatten dann aber auf die Preisliste geguckt. 20, DM sollte der Eintritt kosten. Das war damals ein Schweinegeld. Wir hatten die Kohle nicht und haben beschlossen, umsonst reinzugehen. In Tegel versammelten wir uns

Beatlesfans, Stonesfans und Kinksfans. Es waren etwa 200 bis 250 Leute, die dann losmarschierten. Unter ihnen waren die späteren Aktivisten des 2. Juni stark vertreten.

Als wir an der Waldbühne aus der S-Bahn kamen, war da gleich die erste Bullensperre. Eine ganz lockere, die wir zur Seite drückten. Dann kam kurz vor der Waldbühne eine zweite mit einer berittenen Staffel. Das war schon ein bißchen komplizierter. Wir sind auch da durchgebrochen. Dann gab es nur noch eine ganz leichte Sperre direkt an der Waldbühne. Und so waren wir schließlich mit über 200 Leuten umsonst drinnen, und standen ganz vorne. Und die Leute, die bezahlt haben, sind nach uns zum Teil gar nicht mehr reingekommen.

An diesem Abend hat sich dort eine Stimmung entwickelt, wo ich zum ersten Mal auch ansonsten ganz unpolitische Leute sah, die einen wahnsinnigen Haß und Frust auf die Bullen hatten. Als dieses Konzert, das ja wirklich saumäßig war also für den Preis, wenn ich ihn denn bezahlt hätte, wäre ich, glaub‘ ich, richtig ausgerastet , zu Ende ging, standen die Leute auf und wollten eine Zugabe. Da haben die Veranstalter einfach das Licht ausgedreht. Und im Nu brach das totale Chaos in der Waldbühne aus. Es hat angefangen fürchterlich zu knacken, und dieses Knacken war so animierend, daß dann alle sich daran machten, die Bänke auseinanderzunehmen. Dann ging plötzlich das Licht wieder an, und auf der Bühne zogen die Bullen auf. Sie hielten mit ihren Wasserwerfern von oben herein, worauf sich die erste Schlacht hauptsächlich mit uns entwickelte. Jeder kannte jeden und es gab ein Stück Gemeinsamkeit, ein gemeinsames Gefühl.

Danach wollten wir aus der Waldbühne raus. Bis dahin war alles noch halbwegs friedlich verlaufen. Der Schaden war auch eher gering. Doch dann fingen die Bullen an auf eine Gruppe von so 40 bis 50 Mädels einzuschlagen, die sich an der Bühne versteckt hatten. Das war dann das Signal für alle: jetzt nochmal zurück. Und dabei ging die Waldbühne dann halt richtig zu Bruch!

Vier, fünf Stunden hat die Schlacht getobt, auch rundrum auf den Straßen. Dort hab‘ ich zum erstenmal Leute richtig ausrasten und auf die Bullen losschlagen sehen. Das kannte ich noch nicht. Wir sind aus der Waldbühne raus und in den S-Bahnzügen ging das weiter. Die gehörten dem Osten und eigentlich war es ja sogar offiziell erlaubt, die kaputt zu machen.

Am nächsten Tag haben wir uns wieder in Tegel getroffen. Zwar nicht alle 200, aber doch ziemlich viele. Und auf einmal kanntest du alle! Darunter waren viele, wie zum Beispiel der Shorty, Knolle und Bommi Baumann, die später dann beim 2. Juni waren.

Parallel zu dieser Geschichte liefen auch die ersten Studentensachen ab: zum Beispiel Vietnamdemos, zu denen ich dann hingegangen bin. Übrigens hat eine der ersten Demos nach Neukölln geführt. Dort sind wir von den Bürgern noch fürchterlich in die Enge getrieben worden. Da gab’s mehr Regenschirme auf‘n Kopp als Demonstranten da waren. Weißt du, von diesen Berliner Frontstadtkadavern, die da empört waren wegen der roten Fahnen, wegen der Kommunisten….. (Quelle)

Und dann, die Haare sind noch einmal ein Stück länger gewachsen, nach einigen weiteren Zusammentreffen, Konzerten, Studentendemos, Sit Ins, Teach Ins…. kam der 2.Juni 1967

Der Durchbruch

1967 im Allgemeinen war auch für die Musik der nächsten Jahre ein Urknall. Auch viele Musiker (leider fast ausschliesslich männlich) aus dem Folkmusikbereich, später unter dem Begriff „Liedermacher“ eingeordnet, die schon Jahre auf Tour waren, auf der Burg Waldeck, in Clubs und auf Demos spielten bekamen erst jetzt die ersten Plattenverträge. Es entstanden tausende andere Rockbands mit Anti-Kriegsliedern und Texten mit explizit linken Inhalten. Als erstes in den USA, aber auch in der BRD. Schaut mensch in die Veröffentlichungslisten der Jahre 1967/68 wird klar, dass es sich um eine wirkliche Explosion handelte und niemand kann mir erzählen, dass es diese Leute ein Jahr zuvor noch keine Musik gemacht haben.

Es war eine Revolte, die direkt von den Straßen und Plätzen der Städte in der USA, Frankreichs, dem Gebiet, dass Großbritannien genannt wird und auch der BRD direkt in die Clubs, Konzertsäle und Plattenläden geschwappt ist. Durch Bands wie Anfangs Ihre Kinder, Ton-Steine-Scherben, Floh de Cologne wurde dann auch die deutsche Sprache mit Revolte und Coolness aufgeladen, die eindeutig mehr Menschen erreichte als die kleinen linken Zirkel der Vor-67er Ära. Sie waren die Wellenbrecher für viele herausragende Politrock-Bands und Rocktheater die ihre Spuren noch in die Bewegungen der End70er und 80er-Jahre hinterlassen haben. Herausragend dabei Checkpoint Charlie, Captain Sperrmüll, Die 3 Tornados, Schroeder Roadshow etc.

Aber auch die Liedermacher machten weiter, einige mit eindeutiger nähe zur DKP, viele aber auch darüber hinaus. Die unterschiedlichen Ansätze sind sehr gut in den 2Liedern nachzuspüren, die sich dem Datum 2.Juni widmen. Eines von F.J. Degenharth und das andere von den 3Tornados.

In Vielfalt, Massenkompilität, Durchschlagskraft aber auch Schnelllebigkeit war dass was in West-Deutschland geschah natürlicherweise nichts gegenüber dem was die USA zu bieten hatte. Mensch muss nur Woodstock schreiben um dem Rechnung zu tragen. Sehr viel war dort eindeutig bestimmt durch den Widerstand gegen den Vietnamkrieg, aber auch die Musikrevolution dort hatte ihre radikalen Spitzen, gerade in den Black Communities, geprägt von der Black Panther Party. Ihnen ging es um mehr als das Ende des Vietnamkriegs. Es ging um Selbstermächtigung in einem von Rassismus geprägten Land und um eine revolutionäre Umwälzung, auch gegen den Kapitalismus und die Weltmacht USA. Dies ging auch dort durch alle Genres, vom Folk, den Singer/Songwritern, dem Rock, Soul, Funk, Blues etc. Hier einzelne Namen zu nennen führt zu nichts, weil es den nicht genannten Unrecht tut. Vieles versandete in Kommerialisierung und kapitalistischer Verwertung. Doch ohne diese Revolte und die Reaktionen auf ihr Scheitern durch die Punkbewegung, wäre dass was wir unter revolutionärer Musik & Kultur verstehen um einiges ärmer.

Der Sampler: Musik & Kampf & Rebellion & Aufbruch – Der 2.Juni 1967

2juni_front

Musik & Kampf & Rebellion & Aufbruch (Deutsche Verhältnisse – Die 68er *)
Musik & Kampf & Rebellion & Aufbruch (Vorbilder USA&UK)

OFF LIMITS: Die Initiative „Offene Gesellschaft“

„Was ich nicht ertrage, ist die Unschuld der Menschen“ (Heiner Müller)

Am 17.06.2017 sollen bundesweit überall Menschen zusammenkommen um für eine „Offene Gesellschaft“ zu werben. Die meisten derer, die im Vorfeld dafür ihre Stimme erheben sind sogar der Meinung, dass wir in einer „Offenen Gesellschaft“ leben und diese gegen Rechtspopulisten und Neo-Nationalisten verteidigt werden muss.

Doch was heißt „Offene Gesellschaft“ eigentlich und für wen ist sie offen? Für den afghanischen Geflüchteten, der nach seinem Interview bei der zuständigen Behörde mitgeteilt wird, dass sein Antrag auf Asyl abgelehnt wurde? Für den arbeitslosen Jobcenter-Kunden, der weil er sich gegen eine unsinnige Maßnahme wehrt, das ihm zustehende Existenzminimum um 30% gekürzt bekommt und noch weniger als vorher am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann? Die mittlerweile massenhaft prekär Beschäftigten, die um ihre grundlegendsten Bedürfnisse zu finanzieren zusätzlich Sozialleistungen beziehen und sich vor den Jobcentern nackisch machen müssen?
Das sind nur wenige Beispiele und noch nicht mal die verhehrensten Ungerechtigkeiten, die sich eine der reichsten Gesellschaften dieses Planeten leistet. Die Zahl der Obdachlosen steigt weiterhin, hunderttausende sind auf der Suche nach bezahlbaren Wohnraum. Weiteres ist im Armuts und Reichtumsbericht, den die hiesige Regierung vorzensiert vorgelegt hat nachzulesen. Für diese Menschen ist diese Gesellschaft nicht offen.

Kein Problem?

„Deutschland ist eines der reichsten, sichersten und attraktivsten Länder der Welt. Dass es auch hier eine Menge zu kritisieren, verbessern, modernisieren gibt, ist keine Frage und auch kein Problem…“ (aus den 10 Thesen der Initiative “ Die Offene Gesellschaft“)

„…die Offene Gesellschaft hat in Europa eine Infrastruktur. Sie ist nicht perfekt, aber auch nicht nackt und wehrlos. Europa ist zusammengeflochten durch Institutionen, Verträge, Meetings, Vereine, Verbände, Autobahnen, EasyJet, Handel, Banktransfers, die Champions League und Eurovision. Solch ein Geflecht hält eine Weile, auch bei schlechtem Wetter.“ (von Andre Wilkens, Mitbegründer der Initiative „Die Offene Gesellschaft“, text)

Für die oben beschriebenen Menschen klingen solche Worte wie reiner Hohn bzw. wie eine Ausgeburt bürgerlicher Ignoranz. Wer sich ein bißchen genauer in den Publikationen der Initiative umschaut, sieht wo diese herrührt. Immer wieder taucht der bürgerliche Philosoph Karl Popper auf, der in seinem, von unterschiedlichster Seite hochgelobten Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ eine aufgeklärte Form bürgerlicher Herrschaft begründet in dem er die Feinde eindeutig auf totalitäre Regime wie Faschismus und Kommunismus reduziert. Abgesehen davon, dass diese Gleichsetzung, die in diesem Staat zur Doktrin erhoben wurde in die Irre weist, lenkt sie von den grundsätzlichen Problemen der Gesellschaft ab und ignoriert die Tatsache, dass die Zahl der Menschen, die aus dieser sog. Offenen Gesellschaft ausgespieen werden immer weiter steigt.

Ähnliche Steigerungsraten verzeichnen nur die Konten von den wenigen, die im Moment von dieser Situation profitieren. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Doch dieser Fakt taucht, wenn dann nur in dem oben genannten Zitat aus dem Thesenpapier jener Initiative auf. Aber das scheint ja kein Problem zu sein.

Dieses Problem haben die Protagonist*innen der Initiative auch nicht, denn sie setzen sich aus den Teilen der bürgerlichen Gesellschaft zusammen, die andere – weniger existenzielle – Sorgen haben, wie jene Menschen die Arbeit oder für sie bezahlbaren Wohnraum suchen. Schlimmer noch: Sie verstehen sich nicht einmal als Profiteure eines ausgrenzenden Systems, das sich bürgerliche Demokratie nennt und auf kapitalistischer Ausbeutung beruht. Sie machen sich zum Helfershelfer einer Spielart des Populismus, der geflissentlich ignoriert wird:

Liberaler Populismus

Im Gegensatz zum rechten Populismus, der sich auf den sog. Willen des Volkes und der Nation gründet ist der liberale Populismus einer des Marktes, der sich u.a. in der Politik der Alternativlosigkeit einer Angela Merkel oder Wolfgang Schäuble beweist. Ob es nun die Bankenrettung, die EU und deren Austeritätspolitik war und ist. Oder das kritiklose Hochjubeln eines Macron in Frankreich. Alle diese Entscheidungen sind gegen die Interessen der Bevölkerung durchgesetzt bzw. beklatscht worden. Die bürgerlichen Medien, aber auch jene Parteien, die sich als Garanten einer offenen Gesellschaft sehen spielen dieses Theater mit, das für Millionen von Menschen, nicht nur in Deutschland jene prekären gesellschaftlichen Bedingungen hervorbringt, die den Ausschluss eines nicht geringen Teils der Bevölkerungen zur Folge haben.

Die 2te Komponente des liberalen Populismus: „Die erste besteht darin, die Wahrheit des Kapitals zu vertreten, die zweite darin, sich ständig auf die Moral zu berufen. Alle ursprünglich humanistischen Werte wie Gleichberechtigung, Würde des Menschen usw. werden komplett vereinnahmt und zur Aura der politischen Aussage gemacht. Die Aussagen der liberalen Populisten erscheinen daher nicht nur als an und für sich wahr, sondern darüber hinaus auch noch als an und für sich gut. Das ist eine Doppelstrategie gegen die man nur noch ganz schwer ankommt. Denn jeder, der sie kritisiert, gerät in die Gefahr, sofort als Populist beschimpft zu werden. Das heißt: Er wird bezichtigt, eine wahrheitswidrige Position zu vertreten und außerdem noch unmoralisch zu sein. Dabei wird vergessen, dass die in Anspruch genommenen liberalen moralischen Werte in ihr Gegenteil verkehrt werden, wenn sie in einer durch und durch neoliberal verfassten Gesellschaft gelebt werden sollen. In diesem Zusammenhang ist die Einzigartigkeit des Subjekts nicht mehr die Voraussetzung für individuelles Lebensglück, sondern für eine gesteigerte Form der Ausbeutung. Wenn jemand in der Flüchtlingsdebatte sagt: Ich mache mir Sorgen, meinen Job zu verlieren (…), dann wird u.a. von der Seite der Grünen immer sofort attestiert, dass es sich um Hysterie, um eine übertriebene Form der Angst handele, die keinen Halt in der Realität habe und deren Gründe sich daher auf gar keinen Fall verallgemeinern ließen. Man unterstellt, dass es sich dabei um eine individuelle Form des Pathologischen handele. Anstatt diese Ängste als einen Hinweis darauf zu nehmen, dass die gegenwärtige neoliberale Politik auch Verlierer hervorbringt, werden sie nicht als berechtigte Ansprüche einer bestimmten Klasse verstanden, sondern individualisiert und pathologisiert.“ (Bernd Stegemann, jW vom 14.06.2017)

Dies begründet bürgerliche Herrschaft und die Stabilisierung kapitalistischer Bedingungen mit all ihren Konsequenzen. Eine von vielen ist, das sich viele Menschen nicht mehr an Wahlen beteiligen, da sie sich selbst nicht mehr durch Politik und andere gesellschaftliche Gruppen vertreten fühlen. Dies alles moralisch aufzuwerten und die Verteidigung des Bestehenden gegen nationale Ideologen in den Fokus zu stellen erreicht eher das Gegenteil dessen, was Ziel der Veranstaltung sein soll.

Wer dies ignoriert, trägt zumindest indirekt dazu bei, das einige dieser Menschen ihr Heil im Nachbeten rechtspopulistischer Stimmungsmacher suchen. Ihr nach unten treten gegen Migrant*innen und Geflüchtete vollzieht oftmals nur ihre Erfahrungen in der bürgerlichen Gesellschaft, in den Jobcentern, bei der Suche nach Arbeit und/oder Wohnung, beim zweifelhaften Genuss unserer Medienangebote etc. nach. Die wenig inklusiven Bildungsmöglichkeiten in diesem Land tragen dazu bei, das sich daran nichts ändern kann.

Was wir brauchen sind Initiativen für eine freie bzw. sich selbst befreiende Gesellschaft, die Missstände benennt und Wege der Überwindung sucht, aufgreift und schlußendlich auch die Chuzpe hat für dieses Ziel zu kämpfen.

Zum Schluss noch ein besonderes Bonmot zu dem Aufruf in Kaiserslautern: Das Werbeblättchen Wochenblatt Kaiserslautern, dass durchaus noch über einen meinungsstarken redaktionellen Teil verfügt und zu den Kaiserslautrer Aktionen der Initiative „Die offene Gesellschaft“ mitaufruft, schaffte es in jener Ausgabe vom 18.05.2017 in der sie auf der ersten Seite ihre Mitwirkung benennt und das Ganze vorstellt, auf der zweiten Seite eine bezahlte Veranstaltungsankündigung der AfD-Fraktion des Landtags RLP abzudrucken. So sieht Offenheit nach allen Seiten aus. Hauptsache die Kasse stimmt.

#kaiserslautern #dieoffenegesellschaft #populismus #liberalismus #armut #kapitalismus

MUSEUMSBESUCH: „Beat Generation“ + „Black Matters“ im ZKM/KA

Ich war mal wieder im Museum. Diesmal führte mich der Weg nach Karlsruhe. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass dies erst mein erster Besuch im ZKM war, aber Karlsruhe ist ja auch nicht gerade um die Ecke. Das ZKM ist in einer alten Munitionsfabrik untergebracht. Eine Tafel am Eingang erinnert an die Ausbeutung von Zwangsarbeitern während des NS.

Der Ausbau ist meisterlich gelungen. Gerade im Eingangsbereich, sowie in den im Moment ungenutzten Bereichen ist zu sehen, wie es den Architekten die alten Hallen in ein vom einströmenden Licht durchflutetes offenes Gebäude zu gestalten das alt und neu verbindet.

Für relativ geringen Eintritt ist dort aber auch wirklich einzigartiges zu sehen. (Tipp: Freitag ab 14Uhr ist freier Eintritt)

Der Besuch reduzierte sich auf zwei Ausstellungen. Im Hause ist noch viel mehr zu sehen und zu entdecken. Doch jene 2 waren so vielseitig und auch umfangreich, dass Sie einen allein schon an den Rand der Aufnahmefähigkeit gebracht haben. Beide sind sehr empfehlenswert.

Hier einige Eindrücke und weitere Informationen:

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BEATGENERATION

Die erste Ausstellung war eine Reise durch die verschiedensten Schaffensphasen der Protagonist_innen der Beatnik-Bewegung zwischen Textproduktion, Musik & Poetry, Bildern und Collagen, die Einzeln oder auch gemeinsam geschaffen wurden. Eine große und exquisite Auswahl an Filmen und Filmexperimenten etc. Viele Kunsttechniken, die in den Reihen der Beatniks entwickelt wurden, werden erklärt oder klären sich durch die Auswahl von Ausstellungsstücken und Textbeiträgen(die teilweise wie Fahnen das Ausstellungsgelände eingrenzen) von selbst. Geordnet ist die Ausstellung nach den verschiedensten Orten, die damals Reiseziel, Exil, Fluchtpunkt und kreative Aufladestationen der Künstler waren, wie NYC, Tangier, Paris, Mexico.

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Die in Kooperation mit dem Centre Pompidou Paris präsentierte Ausstellung »Beat Generation« wurde vom Kunst- und Kulturforum »Hyperallergic« unter die »Best of 2016: Our Top 15 Exhibitions Around the World« gewählt!
Bereits in den letzten Jahren widmete sich das ZKM ihren leitenden Figuren, wie William S. Burroughs (»The Name Is BURROUGHS. Expanded Media«, 2012) oder Allen Ginsberg (»Beat Generation. Allen Ginsberg«, 2013). In dieser neuen Ausstellung wird nun erstmals ein Überblick über die literarische und künstlerische Bewegung geliefert, die Ende 1940er Jahre entstanden ist. Wurden damals die »Beatniks« als subversive Rebellen betrachtet, so werden sie heute als Akteure einer der wichtigsten kulturellen Richtungen des 20. Jahrhunderts wahrgenommen.

BLACK MATTERS

Black Matters machte mir einen Künstler bekannt, den ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, aber der durch seine Verbindung verschiedenster Kunstformen und politischen Aktivismus das gelebt hat, was Kunst an sich auszeichnen sollte. Gelebte und auf Freiheit gerichtete Kreativität. Mehr dazu hier.

Das Motto „Black Matters“ ist überals seh, hör und spürbar. Die manifesten großflächigen Bilder, seine Dia-Experimente und kleine bis sehr große raumfüllende Videoprojektionen, die so stark und eindrücklich sind, das sie die Wahrnehmungs und Aufnahmefähigkeit der Besucher_innen zumindest an den Rand des Möglichen treibt. Teilweise sehr abstrakt und experimentell aber doch durch eine Erdung in Form von Zeitdokumenten versehen. Dazu einige (fast zuviele Videos) die seine damalige Arbeitsweise nachvollziehbar machen.

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»Black Matters« ist die erste umfassende Einzelausstellung des amerikanischen Künstlers Aldo Tambellini, der zu den Pionieren der Intermedia Art der 1960er und 1970er Jahre gehört
Aldo Tambellini (*1930 in Syracuse, NY, USA) lebt und arbeitet in Cambridge. Mit Otto Piene gründete er 1967 das »Black Gate Theatre«, das erste »Electro-Media«-Theater in New York.
Die Ausstellung »Black Matters« unternimmt eine Reise durch Tambellinis produktivste, energetisch aufgeladenste und vielseitigste Periode (1960–1980). Sie erkundet seine Gemälde und seine multimediale Praxis, welche Lumagramme (handbemalte Dias), Videos, Videogramme, Malereien, Fotografien, Installationen und Filmwerke umfasst. 

Der Werkkomplex, der im ZKM in der ersten großen Einzelausstellung des Künstlers gezeigt wird, wird als Manifest für eine organische Verbindung zwischen Malerei, Skulptur, Fotografie, Bewegtbildinstallation, kinetischer Kunst und Performance begriffen. Seine Vision umfasst alle Implikationen der zeitgenössischen Medien und begreift ihr Potential als linguistische, künstlerische und soziale Werkzeuge. Ziel der Ausstellung ist es auch, Tambellinis frühen Werke der 1950er-Jahre gemeinsam mit bisher nicht gezeigten Arbeiten seiner New Yorker Periode, die durch ihren künstlerischen Ausdruck seinen politischen Aktivismus und seine politische Philosophie demonstrieren, sowie Filme und Videos, die den Erfolg des Künstlers in den 1960er und 1970er Jahren kennzeichnen, zu präsentieren. Unter seinen unveröffentlichten Arbeiten wird es eine Sektion geben, die sich seinen Experimenten und seinen Projekten am MIT – wie etwa dem Netzwerk »Communicationsphere« – widmet.
Am Ende der Reise durch die Entwicklung Tambellinis künstlerischen Lebens wird eine ortsspezifische Installation gezeigt, die aus Anlass der Retrospektive am ZKM in Auftrag gegeben wurde. Die neue Multimedia-Installation wird sechzig Jahre später erneut Tambellinis künstlerische Kreativität und sein aktuelles politisches, wie philosophisches Unterfangen präsentieren: Schwarz spielt eine Rolle, »Black Matters«.

Aldo Tambellini – NO NAME FILM 1 – Live performance by Alyse Lamb from NITEHAWK SHORTS FESTIVAL on Vimeo.

Alle Bilder sind CC lizensiert:
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Junge, Junge – Die AfD Rheinland-Pfalz ist zum schiessen

Hier die letzte Neuigkeit:

Rheinland-Pfalz: AfD-Fraktionschef soll Immunität verlieren

Uwe Junge soll als Offizier eine Soldatin diskriminiert und die Kanzlerin beschimpft haben. Nun will die Bundeswehr gegen den AfD-Fraktionschef in Rheinland-Pfalz disziplinarisch vorgehen.

Es könnte einen ja freuen, wüsste mensch nicht das die Bundeswehr ja in Punkto Diskriminierung und Missbrauch um einiges mehr zu bieten hat. Die alte Wehrmachtsvokabel „Vaterlandsverräter_in“ geht bestimmt als Traditionspflege durch.

…und was ist der AfD wichtiger als Traditionspflege?

Die AfD RLP ist wie die ganze Partei, durchsetzt von kuriosen Gestalten. Hier noch eine Anekdote vom Binger Wahlparteitag:

Am Rand des AfD-Landesparteitags beklagte der frühere Chef des Kreisverbands Kaiserslautern, Attila Sonal, rassistische und persönlich diffamierende Äußerungen ihm gegenüber auf der Kreisvorstandssitzung in Kaiserslautern am Freitagabend. Achim Vollmer, der später gegen Sonal zum neuen Kreischef gewählt wurde, soll Sonal vorwurfsvoll als Muslim bezeichnet haben, ihm seine doppelte Staatsbürgerschaft als Deutscher und Türke vorgeworfen haben und gesagt haben, er ziele nur darauf ab, seine Familie in der Türkei zu unterstützen. Sonal hat einen türkischen Vater und eine griechische Mutter, er ist in Kaiserslautern verheiratet. Der frühere Kreischef beklagte, dass weder der Wormser Landtagsabgeordnete Heribert Friedmann als Versammlungsleiter noch Landeschef Uwe Junge eingeschritten seien…. [Rheinpfalz, 6.März 2017]

Jener Attila Sonal, der in Kaiserslautern mit der NPD kuschelt erhebt nun Rassismus-Vorwürfe gegen seine eigene Partei. Das kann aber eigentlich gar nicht sein, da diese Partei null rassistisch ist und sogar Stolz auf ihre Edel-Migranten -> Hier der Beweis

Das ist alles so Obskur, das geht noch nicht mal als Realsatire durch. Das i-Tüpfelchen sind aber natürlich der Bärte der Propheten:

afd junge
Uwe Junge

attilaAfD
Attila Sonal