Die Lautertalbrücke – Zur Diskussion über einen Betonpfosten

Hier ein Beitrag zur Diskussion um den noch vorhandenen Pfeiler der alten Lautertalbrücke. Bei dieser Diskussion geht es um Bemühungen des Vereins für Baukultur und Stadtgestaltung Kaiserslautern e. V., der u.a. Mitglied der Initiative „Pfaff erhalten – Stadt gestalten“ ist, der Stadtverwaltung einen Erhalt jenes Autobahnpfostens abzuringen, der eigentlich durch den Bau der neuen Brücke überflüssig geworden ist und unnötig in der Gegend herumsteht. Der Verein wirft der Stadt, die diesen Pfeiler für nicht erhaltenswert erachtet ein „gestörtes Verhältnis zu Historischem“ vor. Doch ist die Historie gerade dieser 1937 (sic) eingeweihten Brücke doch sehr fragwürdig. Hierzu dokumentiere ich hier einen in der RHEINPFALZ nicht für als veröffentlichungswürdig gehaltenen und aussortierten Leserbrief:

Mein erster Gedanke bei der Durchsicht der Artikel und Leserbriefe zur Diskussion um den Erhalt/Abriss der Lautertalbrücke war: Klar sollte man diesen Pfeiler stehen lassen. Als Mahnmal. Auch ein Name fiel mir schon ein: Adolf-Hitler-Gedächnis-Vollpfosten.

Nun aber mal im Ernst. Wer mit Stolz auf diesen Sandstein verkleideten Stahlbetonträger zeigt und diesen erhalten will, zeitigt ein eher krudes Weltbild.

Ich weiss, dass die Autobahn keine Erfindung der Nazis war, obwohl einige immer noch dieser Ansicht sind und diesen falschen Rückschluss auf die Geschichte immer noch als Errungenschaft des Regimes ansehen. Aber gerade das 1937 eröffnete Reichsautobahnteilstück in und um Kaiserslautern hatte eine kriegswichtige Bedeutung und die Militärs hatten schon direkt nach der Installierung des NS-Regimes einen großen Einfluss auf die Planung und den Ausbau der Reichsautobahnen. Diese Rolle des Militärs verhalf der hiesigen RAB zu den flughafenähnlichen Ausbauabschnitten bei Ramstein. Die Bedeutung als schnelle Verbindung zur Westfront gen Frankreich ist ebenfalls nicht bestreitbar. Die mit dem Bau der Lautertalbrücke beauftragten Eisenwerke Kaiserslautern waren im Rüstungs- und Infrastrukturbereich Profiteure der Vorkriegsplanung, des Krieges selbst und somit des NS-Regimes. Während der Kriegsjahre war auch dort eine grössere Anzahl an Zwangsarbeitern unter miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen zugange.

Lauertal37

ltb

Ich finde es immer wieder faszinierend dass genau jene die der Stadtverwaltung und Hern Weichel Geschichtsvergessenheit unterstellen, selbst derart geschichtsvergessen agieren. Einen Betonpfeiler einer Autobahn mit fragwürdiger Geschichte mit der Spoliensäule oder den oftmals zu recht kritisierten Umgang der Stadtverwaltung mit Kunstwerken in der Stadt in einen Topf zu schmeissen empfinde ich als Missachtung jener Künstler, die versucht haben diese Stadt zu gestalten und diese gegenüber Kunst und Kultur zu öffnen.

Wie schon bei der Diskussion um das Pfaffgelände wird nur über Steine gesprochen und nicht über deren Geschichte.


3 Antworten auf „Die Lautertalbrücke – Zur Diskussion über einen Betonpfosten“


  1. 1 Werner Müller 16. Februar 2017 um 20:49 Uhr

    Ich frage mich nur wo waren die Gegner Dieses Brückenpfeilers beim Bau der Waschmühltalbrücke Sie wurde doch auch von den Nazis gebaut und stand unter Denkmalschutz Keiner dieser Schreihälse hat sich vor vier bis fünf Jahren gemeldet Im Gegenteil es wurde noch ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben um ja nicht diese Brücke zu verschandeln Obwohl auch Sie angeblich zu Angriffszwecken erbaut wurde

  2. 2 Werner Müller 22. Februar 2017 um 21:35 Uhr

    Diese Brücke wurde schon in der Weimarer Zeit geplant und nicht wie von Herr Weichel wegen eines Angriffkrieges gegen Frankreich gebaut.Wo blieb der Protest gegen den Abriss der Waschmühltalbrücke die ja auch zum Zwecke des angeblichen Angriffkrieges gebaut wurde!3

  3. 3 Administrator 17. Juni 2017 um 17:31 Uhr

    Zur Planung der RAB’s im Bezug auf das Militär: „Die Nationalsozialisten aber verfolgten von Beginn an mit dem Autobahnbau insbesondere strategische Aspekte. Eduard Schönleben charakterisierte den Inhalt der sogenannten „Braunen Denkschrift“ Straßenbau und Straßenverwaltung aus dem Jahre 1932 von Fritz Todt so: „Linienführung und Ausgestaltung sind nach militärischen Gesichtspunkten vorgeschlagen.“ Bei den nationalsozialistischen Ausbauplanungen spielte insbesondere die Möglichkeit von schnellen Truppentransporten, die Schaffung zusätzlicher Aufmarschwege, die Entlastung der Eisenbahn und die Vornahme von Truppenverschiebungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine Rolle. Die Wehrmacht wurde daher in jedem Stadium der Planung und des Baues der Autobahnen beteiligt. So wurde bereits das im September 1933 vorgelegte Autobahngrundnetz mit Militärs abgestimmt. Man kann Autobahnen bzw. ein Autobahnnetz als ein Dual Use-Gut betrachten: zivile und militärische Zwecke schließen einander nicht aus. https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsautobahn

    Des weiteren diente ja ein Teilstück der RAB bei Ramstein als prov. Flughafen. Im NS und auch später in Aufsicht der US-Streitkräfte im Kalten Krieg.

    Was bei der Waschmühltalbrücke ausblieb, war nun aber bei der Lautertalbrücke Thema. Und das war gut so…

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