Archiv für März 2016

Nice Places, KL: Ostergrüße aus dem Volkspark

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fotographiert am 26.03.2016, Volkspark, Kaiserslautern

Review zu „Projekt A“ und der Präsentation in KL

Das Anarchie immer noch ein Thema ist, dass interessiert und Leute anzieht bekam ich bei meiner Arbeit hinter der Kinokasse am einzigen Aufführungstag in Kaiserslautern zu spüren. Ich wurde von 80Leuten bestürmt. Viele junge Menschen, auch einige Ältere deren Auseinandersetzung mit Modellen herrschaftsfreien Lebens wahrscheinlich bis in die 80er Jahre und davor zurückreichen. Den Film und die nachfolgende Diskussion konnte ich nur randständig verfolgen, so dass ich mir zumindest den Film danach noch einmal privat angeschaut habe. Meine eigenen Erfahrungen reichen auch bis in die 80er zurück. Damals hatte ich bei den „Libertären Tagen“ 1987 in Frankfurt/Main teilgenommen. Diese Veranstaltung habe ich noch als sehr lebendig in Erinnerung. Dort hatte ich „Stowi“ Horst Stowasser (dem der Film gewidmet ist) auch live miterleben dürfen. Ich empfand ihn damals schon recht dominant. Sein Auftreten und die Verehrung die ihn Zeit seines Lebens begleitet hat, aber auch sehr hinterfragenswert, gerade deshalb, weil es ja um ein herrschaftsfreies Leben geht, welches Hierarchien ja eigentlich ausschliessen sollte.

proA

Vorab sei auch noch erwähnt, dass vieles von der hier geäusserten Kritik am Film und dessen was im weiteren Text angesprochen wird, Produkt einer ausführlichen Wohnzimmerdiskussion ist. So wurde das Ganze über die Filmkritik hinaus zu einer gemeinschaftlichen Reflektion über das Gesehene, die eigenen Erfahrungen und Bedürfnisse im Bezug auf Anarchismus, Organisierung und herrschaftsfreien Leben. Danke aNNa :)

Aber nun zum Film: Am Anfang schon zeigt er sich recht widersprüchlich. Er will laut Eingangsstatement zeigen, dass das Bild des Anarchismus in der Öffentlichkeit, wo die anarchistische Bewegung mit Gewalt und Chaos gleichgesetzt wird so nicht stimmt. Dass er dann aber trotz alledem mit Bildern gewalttätiger Auseinandersetzungen in und um das Athener Spontiviertel „Exarchia“ beginnt ist eher unglücklich gewählt. Der zweite Blick zeigt mehr. Die Arbeit für einen Park im Viertel, den Aufbau einer autonomen medizinischen Versorgung dort und den alltäglichen Kampf um Selbstbehauptung in dem von der EU-Troika ausgeplünderten Land. Auch die Bilder und Beiträge aus Barcelona um die CGT, einer sehr geschichtsträchtigen Form anarchosyndikalistischer Organisierung erlauben, inkl. des kurz und recht oberflächlich gehaltenen Rückblicks auf die „goldenen 30er“ des katalanischen Anarchismus, eine Blick darauf was möglich ist. Auch die Netzwerkstruktur verschiedener anarchistischer und/oder Öko-Projekte ist informativ und bietet Ansätze.

So schwach wie die anarchistische Bewegung in Deutschland sind aber die Beiträge aus der selbigen: Einmal das Hervorheben einer Einzelperson wie Hanna Poddig, die mehr durch Aktionismus, als durch politische Tiefe glänzt und in und über Bewegungen berichtet, bei denen Anarchismus kein herausragendes politisches Element ist, wie z.B. der Bewegung gegen Atomenergie und Gentechnik. Ein Travellerleben wie sie es führt ist aber nur durch bestehende Strukturen alternativen Lebens möglich, die aber wiederum hinter der im Film porträtierten „Hauptperson“ verschwinden. Ählich widersprüchliches zeigt der letzte Beitrag über eine Genossenschaft, die sich bei einem Privatbauern eingenistet hat. Es wird dort mit Begriffen wie Allmende und Commons herumgeworfen, ohne dass diese ansatzweise erklärt werden. Mensch kann den Eindruck bekommen bei Anarchismus geht es um die kooperative Verteilung von Bio-Gemüse.

Selbst ich als Mensch, der nicht sich selbst nicht als Anarchist sieht ist die Darstellungsform auf die sich der Film beschränkt ganz einfach zu kurz gegriffen. Einmal gibt auch in Deutschland eine Geschichte des Anarchismus bzw. Anarchokommunismus. Angefangen von der Münchner Räterepublik 1918-19, und den darin agierenden Köpfen Erich Mühsam und Gustav Landauer. München und andere befreite Städte bzw. Stadtviertel mussten damals blutig von Freikorps-Soldaten „Heim ins Reich“ (bzw. die Weimarer Republik) geholt werden. Aber auch innerhalb der Häuserkampfbewegung der frühen 8oer-Jahre und in den Hüttendörfern in der Nähe des Frankfurter Flughafens und in Wackersdorf wurde vieles gelebt, dass näher am anarchistischen und freiheitlich kommunistischen Grundgedanken war als die im Film ausgeführten Beiträge aus Deutschland. Das es hier auch Ansätze anarchistischer Gewerkschaftsarbeit in Form der FAU gibt wurde sträflicher Weise noch nicht einmal erwähnt.

Darüber hinaus gibt es in Deutschland auch Projekte, die kein großes A im Kreis vor sich hertragen, aber trotzdem mit anarchistischen Konzepten konform gehen, wie z.B. das Mietshäusersyndikat, das über ein genossenschaftlich organisiertes Finanzierungsmodell Kollektiven dazu verhilft ihre Ideen in kommunitär organisierten Immobilienbezug umzusetzen, die gemeinschaftlich getragen werden, ähnlich den katalanischen Modellen die im Film dargestellt werden. Kommuneprojekte, die in dieses Modell integriert sind hätten es außerdem erlaubt, den Alltag des Versuchs herrschafts- und hierarchiefrei zu leben darzustellen.

Und damit kommen wir zur nächsten Schwäche des Films: Der Alltag, die Mühen der Ebene und der Versuch, sich aus den Klammern des alten Lebens zu befreien wird nicht wirklich gezeigt. Der Ansatz, den ein katalanischer Genosse kurz erwähnt: „Sich selbst und die Welt (Gesellschaft) zu revolutionieren“ kommt viel zu kurz. So etwas ist natürlich schwierig schwungvoll und energetisch in einen Film zu packen, dürfte aber doch (wenn mensch es wirklich ernst meint) so spannend sein wie nach außen getragener Aktionismus.

Als Mensch, der schon lange Jahre politisch und (sub)kulturell aktiv ist, und mitbekommen hat, dass es gerade dort am meisten hakt und am meisten weh tut, wo es darum geht Menschen dazu zu bringen, alte Denk- und Handlungsmuster (mit denen er/sie in dem kapitalistischen Alptag groß geworden ist) abzulegen. Diesen Aspekt habe ich vermisst. Herrschafts- und Hierarchiefreie Strukturen sind nur möglich, wenn mensch selbst in die Verantwortung für sein eigenes handeln, seine Mitmenschen und das gemeinsame Projekt geht. Das heisst, sich mit dem was mensch will und tut zu identifizieren. Das heisst, das Gemeinschaftliche zu seiner Sache zu machen. Solidarisch zueinander zu stehen und sich gegen unsoziales und autoritäres Verhalten abzugrenzen ist ein weiterer Aspekt, genauso wie die Aufhebung der Unterscheidung von privat und politisch. An den fehlenden Auseinandersetzungen über diese Punkte sind bisher, das meisten Versuche einer herrschaftsbefreiten, antihierarchischen Organisierung in Kaiserslautern gescheitert. Mensch sollte sich damit befassen und nicht immer zuerst die böse Restgesellschaft in den Fokus nehmen und darüber fabulieren welche Ausgangsbedingungen notwendig sind um Andere für anarchistische und/oder andere herrschaftsbefreite Modelle zu mobilisieren. Herrschaftsfreiheit muss gelebt werden und wird dadurch von selbst für andere erlebbar.

Noch etwas: Der Film ist zwar Horst Stowasser gewidmet, doch fehlt eine wirkliche Bezugnahme zu Theorie und Praxis seiner Arbeit. Soweit ich weiss, gibt es das AnArchiv noch, dass er mit Genoss_innen in Neustadt/Weinstrasse aufgebaut hat. Es ist nur umgezogen. In Neustadt selbst gab es auch viele anarchistische Projekte, deren Kennzeichen es leider auch war, dass sie nach dem die Klammer „Stowi“ fehlte zusammengebrochen sind. So kann es auch laufen, muss es aber nicht.

Noch ein letztes Gutes: Mich hat der Film dazu gebracht mir über einiges Gedanken zu machen, was teilweise verschüttet war. Ich werde auch nicht aufgeben: Eine bessere Welt ist möglich. Im Kleinen, wie auch im Großen. Mensch muss es nur wollen und es auch versuchen umzusetzen. Aus Fehlern kann mensch lernen.

Ein Dank an die Anarchistische Initiative KL, die für diesen Film mobilisiert und die Vorführung im Union-Kino möglich gemacht hat.

Investorenparadies Kaiserslautern – Das Beispiel Mömax / XXXLutz und die Arbeitsrechte

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Hauptsache Investor. Vor einigen Tagen hat Kaiserslautern noch ein neues Möbelhaus. Dieses „Mömax“ gehört zur XXXLutz-Kette die erst letztens durch ihre „Hire and Fire“-Praxis auf sich aufmerksam machte. Das neue Haus nimmt also nicht nur den direkten Anwohnern in der Augustastr. die Sicht, sondern nimmt den arbeitenden und arbeitssuchenden Menschen auch die Perspektive eine Arbeit zu finden, die grundlegende Arbeitnehmerrechte anerkennt und bei der Respektvoll mit arbeitenden Menschen umgegangen wird. Der Konzern hat praktisch alle seine rund 20.000 Beschäftigten in Servicegesellschaften ausgegliedert, wovon es nach ver.di-Schätzungen europaweit mindestens 400 gibt. XXXLutz setzt außerdem verstärkt auf geringfügig Beschäftigte. Laut ver.di liegt die Vollzeitquote bei zum Teil unter 30 Prozent. Das Gros der Kräfte werde zudem unter Tarif bezahlt, bestehende Tarifverträge würden nach einer Betriebsübernahme in der Regel nicht mehr angewandt. Die Arbeitszeit bewege sich in den meisten Fällen zwischen 41,5 und 42,5 Stunden. Für Mitarbeiter in Führungsposition gelte teilweise eine wöchentliche Arbeitszeit von bis zu 48 Stunden, so ver.di. (siehe jW, 24.02.2016).
Auf der XXXL-Seite heißt es “Entscheidend jedoch für den Erfolg des XXXLutz ist, immer zu wissen, was die Menschen möchten”. Dies gilt freilich nicht für die Angestellten. Denn XXXL fällt zum wiederholten mal als Betriebsratsverhinderer auf. XXXLutz nutzt ausserdem die starke und sicherlich gewollte Zersplitterung des Betriebes, im Manager-Jargon auch “Betriebsstruktur” genannt, um anzuzweifeln, dass überhaupt alle an der Wahl beteiligten Betriebe tatsächlich berechtigt waren, an der Wahl des Betriebsrats teilzunehmen. (mehr dazu hier). Wie der Konzern mit Mitarbeitern umgeht, wenn die Umsatzzahlen nicht stimmen gibt es hier weitere Informationen am Beispiel der Schliessung der Mannheimer Filiale.

@ Work

Irgendwie muss mensch ja bei einem achteinhalbstunden Arbeitstag zwischendurch mal was produktives tun ;-)

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Fotos from Union – Studio für Filmkunst, Kaiserslautern, 13.03.2016

LU-opismus: „Hauptsache, es dreht sich“

Auswärtseinsatz in Ludwigshafen. Fotos aus 3/2016

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